Werden Sexualdelikte von Asylbewerbern weiter vertuscht?

Die Thüringer Allgemeine (!) berichtet aktuell über den Fall der Vergewaltigung eines 14-jährigen Jungen aus Afghanistan durch zwei seiner 18-jährigen Landsmänner im Stadtwald von Gera. Die Polizei hatte das schwerwiegende Verbrechen offenbar nicht als für eine Pressemitteilung geeignet eingestuft, obwohl das Opfer nach eigenen Angaben bei der Tat sogar gefilmt worden war.

Die Sexualstraftat war, wie die Zeitung berichtet, erst durch die parlamentarische Anfrage des Vorsitzenden des Justizausschusses im Thüringer Landtag, Stephan Brandner (AfD), publik geworden. Der Landtagsabgeordnete, der von Beruf Rechtsanwalt ist, äußerte sich gegenüber der Thüringer Allgemeinen wie folgt: „Ich habe eine Vermutung: Diese schwere Straftat wurde nicht publik gemacht, um die Stimmung in der Zuwanderungskrise nicht weiter anzuheizen.“ Das Thüringer Innministerium wies den Vorwurf hingegen zurück und erklärte, es gebe gegenüber der Polizei keine Weisung über die Straftaten von Asylbewerbern nicht zu berichten.

Der Umgang von Polizei und Medien im Umgang mit Straftaten, die im Zusammenhang mit der sog. Flüchtlingskrise stehen, verwundert in der Tat sehr. Das zwischenzeitig spürbar verloren gegangene Vertrauen der Bevölkerung kann man allenfalls durch Transparenz und Offenheit zurückgewinnen. Dazu gehört auch, dass zeitnah und offen über die Herkunft und Beweggründe von Straftätern berichtet wird. Durch Zurückhalten von Informationen nährt man hingegen genau diejenigen Entwicklungen und das Misstrauen, denen man sich eigentlich entgegenstellen sollte.

Zudem kann nur ein transparenter Umgang mit dem Thema Ausländerkriminalität dazu führen, dass wirksame Präventionsansätze gefunden werden. Dazu gehört auch, dass sich die Wissenschaft den sich stellenden Fragen annimmt. Bislang begrenzen sich diesbezügliche Forschungsvorhaben, sie ohnehin nicht gerade zahlreich sind, auf wenige Deliktfelder. Althoff und de Haan stellen etwa anlässlich einer aufgrund des begrenzten Erhebungsfeldes leider wenig aussagekräftigen Studie fest, dass Daten zur Kriminalität von Asylbewerbern kaum vorhanden sind (MschrKrim 2004, 436, 437). Gerade der in diesem Zusammenhang besonders problematische Bereich der Sexualdelikte scheint in dieser Hinsicht eine Tabuzone zu sein. Die Politik muss sich auch insoweit die Frage gefallen lassen, wieso in diesem Bereich keine aussagekräftigen Forschungsvorhaben initiiert werden.

 

Vertiefung

Althoff/de Haan, Sind Asylbewerber krimineller?, MschrKrim 2004, 436-450.

Autor: Florian Albrecht


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