„Tragen Sie keinen Schmuck, wir sind auf Entenjagd!“

Die Polizei arbeitet derzeit mit großer Anstrengung an ihrem Bild in der Öffentlichkeit. Vor allem in sozialen Medien, wie Facebook und Twitter wird versucht, ein jugendlich lässiges – sprich „zeitgemäßes“ – Bild des Polizeiberufs zu zeichnen. Dies auch aus Gründen der Personalwerbung. Der Einstellungsbedarf bei den Sicherheitsbehörden ist so groß wie nie. Darüber hinaus hat die Polizei wenig Bedarf an imageschärfender Öffentlichkeitsarbeit. Seit jeher ist der Polizeiberuf in der Bevölkerung hoch angesehen. Was bei den teils wenig gelungenen Aktionen herauskommt, zeigt eine aktuelle Presseschau.

Oh, wie schön ist es in Berlin!

„Laute Musik, Spielplatz-Randale, Schlägereien: Berliner Polizei twittert 24 Stunden Notruf-Einsätze“, meldet der Tagesspiegel. Bei der Aktion wurde „24 Stunden live“ aus dem Berliner Polizeialltag via Twitter von eingegangenen Notrufen berichtet, die teils mit halblustigen Kurzkommentaren versehen waren. Ziel des Ganzen: Es sollte ein Einblick in die Polizeiarbeit gegeben und Werbung für den Polizeiberuf gemacht werden. Parallel zu den Tweets wurde auf der Facebook-Seite der Berliner Polizei ein Livechat mit einem Berufsberater geschaltet.

Tatsächlich möchte man meinen, dass in Berlin die Welt noch in Ordnung ist. Die Highlights der Einsatzdokumentation: Einige Kneipenschlägereien, ein Fünfjähriger, der ununterbrochen von einem Münztelefon aus die 110 wählte, ein Geldbörsenfund. Zudem wurde die Polizei wegen eines Fuchses auf einem Dach und Jugendlichen, die auf einem frisch sanierten Spielplatz randalierten, gerufen. Auffällig: Immer wieder wurden offene, nicht abgesperrte Fahrzeuge gemeldet. Wahrscheinlich werden die Autos nicht mehr abgeschlossen, weil sich die Leute in Berlin so sicher fühlen.

Ente gut, alles gut.

Eine Einsatzdokumentation der Berliner Polizei schaffte es sogar zum viralen Facebook-Hit. Auf einem Video wird gezeigt, wie Polizeibeamte eine schutzbedürftige Entenfamilie einfangen und in ein Tierheim bringen. Auf der Facebookseite der Berliner Polizei wird das Video von den Presseleuten der Polizei „witzig“ kommentiert: „Im Wedding befreiten Kollegen unseres Abschnitts 35 gestern Nachmittag eine Entenfamilie aus ihrer augenscheinlich ausweglosen Lage. Gegen 16.20 Uhr hatte sich eine Entenmutter mit ihren acht Küken zum Hof des Paul-Gerhardt-Stifts in der Müllerstraße widerrechtlich Zugang verschafft. Unseren alarmierten Beamten war schnell klar, dass die kleine Familie sich hier nicht dauerhaft einnisten durfte … “ – Selten so gelacht. Die infantilen Katzenvideos auf Facebook scheinen ernsthafte Konkurrenz zu bekommen.

Nicht ganz so tierlieb ist die bayerische Polizei. Im niederbayerischen Eggenfelden, wurde ein wildgewordener Bulle, der von einem Viehtransporter in einen Supermarkt geflüchtet ist, kurzer Hand erschossen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Wär ich doch nicht in Düsseldorf geblieben.

Weniger wohlfülig-kuschelig als in Berlin geht es dagegen in Düsseldorf zu. Dort scheint es richtige Kriminalität zu geben. Schutzbedürftig sind im Rheinland nicht Entenfamilien, sondern beklunkerte Seniorinnen. Eine Düsseldorfer Ermittlungskommission macht gerade Jagd auf eine Bande von brutalen Halskettenräubern. Aber auch in diesem Fall weiß die Polizei medienwirksam besorgte Rentnerinnen zu beruhigen. Der Seniorenbeauftragte der Polizei empfiehlt: „Tragen Sie Schmuck nicht offen, am besten gar nicht …“. Diese Äußerung lässt in Sachen Kriminalitätsbekämpfung einiges erwarten. Was rät die Kriminalpolizei wohl als nächstes? „Bleiben Sie Silvester zu Hause!“ oder „Tragen Sie im Karneval keine kurzen Röcke!“

 

Literaturhinweis zu den rechtlichen Voraussetzungen polizeilicher Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Medien:

Kühnhenrich, Rechtliche Problemstellungen bei der Nutzung sozialer Netzwerke durch die Polizeibehörden am Beispiel Facebook, in: Die Polizei 2015, 3 ff. (Teil 1) und Die Polizei 2015, 41 ff. (Teil 2)

 

Autor: Frank Braun

 

 


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