Personalwerbung der Bayerischen Polizei: Es geht auch nicht peinlich

Der Personalbedarf in den Polizeibehörden ist enorm gestiegen. Die Pensionierungswelle, die eine überalterte Polizei überrollt, ist hierfür maßgeblicher Grund. Auch eine verfehlte Sparpolitik sowie ein im Zusammenhang mit der Terrorismusgefahr und der Flüchtlingskrise allgemein gestiegener Kräftebedarf zeigen Wirkung. Trotz des traditionell hohen Ansehens der Polizei in der Bevölkerung und der „Einstellungsoffensive“ der Behörden, ist geeigneter Nachwuchs schwer in der erforderlichen Zahl zu rekrutieren. Personalwerbung, vor allem in den neuen Medien, ist deshalb ein wichtiges Instrument, um potentielle Berufseinsteiger zu einer Bewerbung zu motivieren.

Gut gelungen ist die im Februar gestartete Werbekampagne der Bayerischen Polizei. Auf der Website www.mit-sicherheit-anders.de werden umfassende Informationen zu Einstellungsvoraussetzungen, Bewerbungsverfahren, Ausbildungsinhalten, Karrieremöglichkeiten usw. zur Verfügung gestellt. Die flott geschnittenen Werbevideos, in denen dankenswerter Weise auf Schauspieler verzichtet wird und ausschließlich echte Polizeibeamte gezeigt werden, zeichnen ein Polizeibild, das vielleicht nicht ganz authentisch ist, dafür aber ein zutreffendes Anforderungsniveau an den Beruf suggeriert. Es wird der Eindruck vermittelt, dass Polizist-Sein eine verantwortungsvolle, abwechslungsreiche Tätigkeit impliziert, für die es eines hohen Engagements, Willenskraft, Durchsetzungsfähigkeit, sportlicher Befähigung und vor allem intensiven Trainings bedarf – das durchaus Spaß machen kann, wie die Filme zeigen.

Wie Personalwerbung nicht geht, hat hingegen das Land Nordrhein-Westfalen vor zwei Jahren unter Beweis gestellt. Mit dümmlichen Werbevideos wurde – wohl in einer Art Verzweiflungsakt, anders ist der bodenlose Schwachsinn, der produziert wurde, nicht zu erklären – versucht, „Aufmerksamkeit um jeden Preis“ zu gewinnen. Ein Schuss der kräftig nach hinten losging. Legendär ist das unübertroffen stümperhafte „Torben – Video“, das eindrucksvoll Zeugnis gibt, dass manchen Leuten nichts zu peinlich ist. Die Flut an Spott und Häme, die das Video provozierte, war jedenfalls in jeder Hinsicht gerechtfertigt. Auch wenn der Clip schnell von den Polizeiseiten im Netz gelöscht wurde, im Internet ist das Filmchen, das den Begriff „Fremdschämen“ auf den Punkt bringt, noch immer auffindbar: https://www.youtube.com/watch?v=F3Doswuy_xQ

Hier die „beste“ Stelle:

„Hey Torben! Go Torben! Hey! Ho!

Go Torben! Go Torben! Hey! Ho!

Korrekt! Du fragst mich nach dem Stundenlohn

Du kriegst ’ne Waffe, kriegst ’ne Mütze und ’n Megafon!

Ab sofort wirst du hier nach dem Rechten schau’n

Und darauf achten, dass die Homies keine Scheiße bau’n!

Auch wenn die Raser das nicht gerne woll’n …

Machst Du ab heute die Verkehrskontroll’n“

 

 

Literaturhinweis zu den rechtlichen Fragestellungen der Polizeiwerbung im Internet

Kühnhenrich, Rechtliche Problemstellungen bei der Nutzung sozialer Netzwerke durch die Polizeibehörden am Beispiel Facebook, in: Die Polizei 2015, 3 ff. (Teil 1) und Die Polizei 2015, 41 ff. (Teil 2)

 

Autor: Frank Braun

 


Kommentar hinterlassen